
OYAK-Projekt 2007
Tagebuch El Rosario
2007 hat OYAK die Grundschule in El Rosario erweitert. Parallel zum Schulbau hat OYAK-Teilnehmer Sebastian Tagebuch geführt, über seine Erlebnisse auf der Baustelle, über das Zusammenleben mit der Familie und von seinen Erkundungen in Zentralamerika. Die Beiträge sind nach Datum - absteigend - sortiert.13. September
Melde mich nun wohl zum letzten Mal aus dem schon vertrauten Guatemala, am Freitag morgen geht es schließlich auf und davon!
Bin froh wieder im kühl-gemäßigten Klima zu sein, nämlich in Antigua - der Touristenhochburg schlechthin. Für Guatemala aber überdurchschnittlich reich!
Was gibts sonst noch so zu erzählen: die letzten Tage in El Rosario waren einigermaßen entspannend. Habe während der Arbeit die eine oder andere Auszeit genommen, um mit den Jungs ein bisschen was zu unternehmen. Obwohl ich am letzten Tag nochmal einige Wände von z.T. massivem Zement befreien musste: das hat die Arme noch mal ganz schön lang werden lassen..
Am Freitag hatte ich in der letzten Arbeitswoche den zweiten freien Tag und habe ein letztes Mal den wuseligen Markt in Solola aufgesucht.
Immer noch interessant. Habe mit Cornelio ein paar Erledigungen gemacht und mit dessen Hilfe war es mir sogar möglich auf den zentralen Kirchturm zu steigen. Netter Blick auf den Markt, mal eine andere Perspektive auf das hektische Treiben. Später habe ich mich von ihm getrennt, um selber noch Besorgungen zu machen. Ich musste ja noch die Fotos abholen, die ich habe entwickeln lassen, um ein kleines Album anzufertigen und der Familie als Dankeschön dazulassen. Für die Kollegen vom Bau habe ich dann noch jeweils ein Gruppenfoto entwickeln lassen, allein damit konnte ich meine Familie nach den fünf gemeinsamen Wochen wohl kaum abspeisen. Ich hatte so meine liebe Mühe mein Werk durch die Fensterscheibe vor den neugierigen Blicken zu schützen, aber irgendwie hat es wohl geklappt.
Abschied
Um die letzten paar Mahlzeiten brauchte ich mich nicht mehr zu kümmern, die wurden alle von Maria, der Frau des Hauses, zubereitet. Das letzte Abendessen bestand ganz meinen Wünschen entsprechend aus einer ansehnlichen Menge Grillfleisch und Beilagen. Wegen Regens haben wir in den Grill in der Küche angeworfen, was ein Riesenspaß war. Mit der üblichen Verspätung kamen noch mal alle festen Arbeitskollegen und wir konnten nach einigen Dankesreden von guatemaltekischer Seite auch endlich über das zauberhafte Essen herfallen. In einem günstigen Moment habe ich die Gunst der Stunde genutzt und mein Album präsentiert. Ich habe es Cornelio überreicht, der es aber nicht allzu lange behalten konnte. Als wenn da die Lottozahlen von morgen drin stehen würden, wollte jeder unbedingt einen Blick erhaschen. Ich glaube, das Geschenk ist gut angekommen. Danach habe ich noch zwei Umhängestricktaschen überreicht bekommen, eine sogar mit persönlicher Widmung. Sehr schön. Gut, dass ich jetzt neue Taschen zum tragen habe, die Rucksäcke platzen nämlich aus allen Nähten. Nach anschließender Verabschiedung leerte sich mein Schlafgemach und ich durfte der Familie die 80 Fotos nochmal im Detail erklären. War schon ein bisschen traurig, die Jungs alle zu entlassen. Ich musste immer wieder erklären, dass ich dieses Jahr nicht wiederkomme, schon gar nicht nach El Rosario ziehen würde und vor meiner Abfahrt noch ein bisschen was anderes von Guatemala sehen wollte als die Gegend um Solola. So bin ich dann auch am nächsten Tag, dem Tag schlechthin (Wahlsonntag), mit Cornelio und dessen Bruder um fünf morgens nach Los Enuentros und von da mit 4 Bussen und einem Boot bis an den megaheißen Ort Monterrrico am Pazifik getingelt. Dort habe ich mir eine billige Unterkunft organisiert und bin erst mal in den atemberaubend aussehenden Pazifik gehüpft. Schöner kilometer-langer Sandstrand und die Müllsituation war nicht ganz so düster wie sie im Reiseführer beschrieben wurde, war allerdings auch Nebensaison. Nach drei Nächten habe ich mich richtig gefreut, wieder abzufahren jetzt geht's über Antigua und New York wieder nach Hause.05. September
Während meine fünfte Projektwoche anbricht, mache ich mir schon so einige Gedanken über das, was wohl danach kommen mag. Nach einigem Hin und Her, habe ich mich dazu entschlossen, noch eine weitere Woche im Dorf und mit Schulbau zu verbringen, was mir nicht schwer gefallen ist, da ich mittlerweile so richtig angekommen bin in der Bevölkerung, zumindest bei den fuer mich interessanten Leuten. Ich kenne fast alle Namen, was am Anfang ein Ding der Unmoeglichkeit zu sein schien, kann auf Kackchiquel ein paar Brocken loswerden und hab wohl auch in der Umgebung (Solola und Los Encuentros) jeden Winkel besucht. Die Familie ist immer noch sehr nett und die Kinder sind immer noch ziemlich nervenaufreibend. Auch die nahrhaften Tortillas werden mir jeden Abend gereicht, um mein Mal etwas zu verlängern. Geplant waren eigentlich nur vier Wochen in El Rosario, aber die Jungs haben förmlich von mir erwartet, dass ich noch ein bisschen bleibe. Das mache ich auch gerne, allerdings lasse ich es nun etwas lockerer angehen, weshalb ich mir heute einen freien Tag genommen habe, um den bunten Markt in Solola noch einmal zu besuchen und verschiedene Dinge zu erledigen.
Am Sonntag werde ich aber endgültig aufbrechen und El Rosario mit Sack und Pack verlassen. Und zwar nach Monterrico, an die Pazifikküste! Das ist ein kleines Fischerstädtchen mit ein paar angeblich guten Unterkünften für Pauschaltouristen wie mich zum Beispiel. Das Wetter soll dort etwas milder sein als hier im Hochland. Sonne, Meer und weniger Regen. Mittwoch und Donnersta werde ich in Antigua zu verbringen, der ehemaligen Hauptstadt, um von dort aus Freitagmorgen direkt zum aeropuerto zu fahren. So kann ich die Zeit noch nutzen und dem Chaos in Guate, der Hauptstadt aus dem Weg gehen. Am Freitagabend fliege ich dann nach New York, das dürfte auf eine andere Art interessant werden. Mittlerweile habe ich auch begründete Hoffungen umsonmst eine Unterkunft im ´Big Apple´ zu finden. Über couchsurfing.com konnte ich zwei Leute ausfindig machen, die sich so ergänzen, dass ich immer Unterschlupf habe. Juppiduh!
In der letzten Woche konnte ich nicht ausführlich schreiben, da ich mit meinen Kumpels in der Stadt war. Wir haben nicht gearbeitet, sondern sind lieber nach Solola gefahren, um Grillgut einzukaufen. Am Vortag hatten wir an der Schule spontan ein Feuer gemacht und einige Maiskolben organisiert, die in der Glut geroestet wurden; einfach und lecker! Hier haben wir beschlossen, am nächsten Tag richtig zu grillen. Das Grillen war ein Riesenspass! Einige groebere Fetzen Rindfleisch, die noch kurz in Limettensaft, Chili und Salz gewendet wurden, um gegrillt mit Tomaten und Weissbrot verspeist zu werden. Ich hab mich nicht lumpen lassen, da ich für das Fleisch und das Mittagessen in einem weiteren interessanten comedor ion Solola nichts bezahlen brauchte und eine Runde Bier geholt. Besichtigungen mit Luis
Das ist für hiesige Verhältnisse ziemlich teuer, aber zum grillen...Fantastisch! Vergangenen Dienstag war ich mit Luis unterwegs und wir haben uns ein paar Sachen angesehen:26. August
In der letzten Woche habe war viel los auf der Baustelle, dementsprechend platt und etwas unmotiviert war ich dann am Ende auch. Zumal ich teilweise eine Arbeit ausgeführt habe, die noch schlimmer war, als Draht mit Eisenstangen zu verbinden und ich dachte schon, das wäre das mieseste überhaupt, da auch die Hände danach für¨n EImer sind.
Jedenfalls ist das Entfernen von Draht von alten, verbogenen Eisenstangen noch mühsamer, ganz zu schweigen von dem Versuch die dicken Eisenstäbe wieder gerade zu biegen. Find ich ja gut, dass man versucht, die Dinge wieder zu verwerten, aber manches ist scheinbar nur mit Zauberhänden zu erledigen. Da reiss ich doch lieber den Putz mit Hammer und Meissel von den Wänden, wie ich es schon eineinhalb Tage lang gemacht habe. Das scheint mir eine sinnvolle Herausforderung zu sein.
Das ist nämlich nötig, damit neue Säulen eingesetzt werden können und anschließend Bretter für die Verschalung senkrecht angebracht werden können. In der Mitte sind die Eisen, das wird dann mit Zement aufgefüllt. Es gibt sogar eine Zementmischmaschine. So entsteht im Endeffekt ein neuer stabiler Pfeiler in der alten, maroden Wand. Bisher haben wir viel gearbeitet, ohne dass große Veränderungen auf der Baustelle erkennbar geworden sind. Es wurden Fundamente gegossen und Abrissarbeiten erledigt.
Tonnenweise Steinblöcke
Aber Montag soll es so richtig ans Eingemachte gehen! Wir werden die 234437 Tonnen Steinbloecke auf das Schulgelände schaffen und mit dem mauern beginnen. Das ist doch mal eine wirklich produktive Arbeit! Nur gut, dass ich mir Arbeitscçhandschuhe mitgenommen habe. Die Jungs hier arbeiten alle ohne Handschuhe; 40 Quetzales, umgerechnet vier Euro: das ist den Bauarbeitern anscheinend zu teuer. Aber jeder Arbeitstag geht ja einmal vorbei, ausserdem ist nach solchen Monstertouren immer eine Verschnaufpause angesagt, in der sich die Jungs sehr über ausgegebene Getränke freuen! Auch hat meiner Familie mein Essen geschmeckt, welches ich letzte Woche zubereitet habe. Mir aber auch! Also werde ich mich nochmal ins Zeug werfen und ein weiteres Mal für die hungrige Sippe kochen. Dies Mal allerdings ordentlich deutsche Küche (Bratkartoffeln mit Speck und Zwiebeln und Frikadellen) und zusätzlich zur Familie ist das gesamte Schulbaukomitee geladen. ALso 15 Personen, dürfte interessant werden. Morgen fahr ich mit ein paar Kumpels nach Chichicastenango, dort soll einer der größten indigenen Märkte Guatemalas sein. In der nächsten Woche werde ich nochmal meine Gastfamilie in Quetzaltenango besuchen und mit Jose zum Ligaspiel zwischen Xelaju und Jalapa gehen: OLE! In diesem Sinne Buen Provecho und bis denne.20. August
Mampfen mit den Maurern
Ich hab mir auf dem Markt eineinhalb Kilo Hackfleisch und andere frische Leckereien gekauft und werde heute Abend ein typisch deutsches Essen zubereiten: Spaghetti Bolognese. Ich bin mal gespannt, was die Maurer und die Familie dazu sagen werden. Für die Kinder ist eigentlich immer Ketchup und fritiertes Hühnchen passend. Der älteste Mann der Familie, der für seine 75 erstaunlich fidel ist, schlürft eher die traditionell zusammengekochte Suppe mit Kartoffel, Gemüse und einem Stück Fleisch, das zu speziellen Anlässen das Gericht krönt. Das allerdings ziemlich laut. Ich hab mir vorhin auch eine Tüte fettige Fritten mit Hühnchen geleistet. In den Reiseführern wird immer davon abgeraten, Essen von der Straße zu kaufen und alle rohen Lebensmittel vorher abzukochen, aber ich hab mir bisher alles gekauft, was gut aussah und hab es noch nicht bereut. Nur einmal hatte ich nach einem scharfen Tortilla eine halbe Stunde später immer noch ein Brennen im Magen: fühlte sich an wie Schnaps.Feria!
Mittwoch war hier ein ganz interessanter Tag. Es war Feria, so eine Art Volksfest, an dem ich auch im Stadion zum Fußball war. Solola hat 11-2 verloren und es war teilweise so neblig, das man die Mittellinie nicht mehr sehen konnte. Dann wieder SOnne und wieder Regen, spitze! Auch habe ich mit Juan, dem 75-jährigen Opa meiner Familie, eine Buchvorstellung vom Sohn des Architekten Luis besucht. Ich fand's auch einigermassen langweilig, aber der Opa ist an meine SChulter gelehnt eingeschlafen. Als ich zu Hause war, kam er allerdings derart gut gelaunt ins Zimmer, dass es eine Freude war. Für mich ist das Spanisch teilweise noch schwierig zu verstehen, zumal auch Alkohol im Spiel war. Der Familienälteste hat sich fünf Minuten lang bedankt bei mir bedankt und umarmt, weil ich doch so gut auf der Baustelle helfe.
Gestern haben wir Panajachel besucht, nicht weit von hier, aber direkt am Atitlan-See gelegen. Wunderbarere Blick auf den See, der von drei Vulkanen eingeschlossen ist.
16. August
Ankunft in El Rosario
Nach einigen warmen Worten von der Direktorin, sind wir zu meinem eigentlichen Einsatzort, dem ca. 15 km entfernten El Rosario gefahren. Dort erwartete man mich mit SEHR grosser Neugier.
Zunächst haben mich aber mein Gastvater, Cornelio und Freunde von ihm, zum Essen in einem örtlichen comedore eingeladen. Dort war es noch nebliger als
auf dem Tajumulco, weil hier gegrillt wurde und das drinnen, Fenster gab es dort keine! Nach dem Essen durfte ich meine Sachen im Zimmer einräumen, was unter Aufsicht der bisherigen Bekannten und der gesamten
Familie geschah (bis auf die Großmutter, die traut sich immer nur durch das
Fenster zu schielen). Ich habe also ein ziemlich großes Zimmer in dem Haus
meiner Gastfamilie, was natürlich toll ist, aber leider haben die auch
einen Fernseher, welcher auch hier steht und häufiger benutzt wird. In dem kleinen eingeschossigen Haus, das in den Berghang gebaut ist, leben der Familienvater Cornelio, seine Frau und deren drei Kinder, zusammen mit Oma und Opa, vier hungrige Hunde, zwei Stiere, Hühner samt Nachwuchs und ein Schwein! Das
alles ergibt seltsame Geräusche, wenn man des nachts auf dem Donnerbalken, fern des Hauses, sitzt und lauscht. Die Arbeit ist abwechslungsreich aber anstrengend. Morgens geht es um 7.00 Uhr los. Gearbeitet wird dann bis 16.30 Uhr. Danach wird meist eine Runde Fußball auf dem neu angelegten Platz gespielt.
Zement und Steine
Auf der Baustelle müssen Steine geschleppt, zerkleinert und einbetoniert werden. Zement anrühren ist eine der weinger beliebten Arbeiten. Wir haben vor einer Woche damit begonnen, das Betonfundament für
weitere Aufbauten zu gießen. Alle der anwesenden Arbeiter sind Voluntarios, aber mit dem Unterschied zu mir, dass sie allesamt Einheimische sind. Es gibt zwei, drei Leute, die ein bisschen mehr Ahnung zu haben scheinen. Der Rest der Belegschaft sind ganz normale Bewohner des ca. 1000-Seelen-Dorfes, die
im Alltag einen anderen Beruf haben. An einem Tag habe ich etwa 200 Sandsteine den Boden rausgeklopft und noch mit Moertel eingemauert. An einem anderen Tag haben wir Holzbretter etwa einen Kilometer vom Wald durch ein Maisfeld geschleppt.
Die Guatemalteken haben so eine tolle Tragtechnik, alles auf dem Kopf rumzublancieren, aber das ist nichts für mich, zumal die allermeisten viel kleiner sind als ich,
wodurch zu zweit tragen schwierig wird!
Viele Grüße und bis bald!
OYAK-Projekt 2008

El Encanto ist OYAKs 14. Schulbauprojekt. Insgesamt konnten OYAK und der Entwicklungshilfeverein Esperanza,
zehn freiwilligen Helfern aus Deutschland die Reise nach Guatemala und die Mitarbeit am Schulbau ermöglichen. Das Baustellentagebuch: Esperanza Baustellen-Blog.